Die grüne Hölle Eselsweg

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Esel waren im Mittelalter das wichtigste Transportmittel im Gebirge, Mountainbikes waren schließlich noch lange nicht erfunden, auch hier in unseren Breiten. Einer dieser "Eselswege" führt von Schlüchtern bzw. Bad Orb über die Spessarthöhen nach Großheubach. Auf den Rücken der Esel wurde zu damaliger Zeit Salz aus Bad Orb, Glas aus den Glashütten des Spessarts und viele andere Waren über diesen Höhenweg transportiert, Heere von Fürsten benutzten ihn, Räuber trieben auf ihm ihr Unwesen. Also wurde es höchste Zeit, das auch wir einmal diesen Weg "erfahren".

Schon vor über einem Jahr, kurz nach unserer "TransHarz" erfuhr ich vom Eselsweg im Spessart. Seither beschäftigte er mich immer wieder und so hatte ich auch schnell entsprechendes Kartenmaterial bestellt und eine entsprechende Recherche betrieben, um näheres über seinen Verlauf zu erfahren. Schon nach ein paar Monaten lag die Tour "fix und fertig" in der Schublade und wartete darauf, "erfahren" zu werden. Durch den Ausfall unserer diesjährigen Transalp war dies zumindest eine würdige Alternative. So war es zwischen mir und Carsten schnell klar, den werden wir fahren, egal, wer sonst noch mitkommt. Leider liessen uns unsere sonstigen Begleiter im Stich und wir mussten dieses Abenteuer alleine in Angriff nehmen.

Geplant ist, den Eselsweg in der ersten Augustwoche zu bezwingen, je nach Wetterlage. Über einen anderen Biker erfuhren wir, dass das Wetter eine nicht unerhebliche Rolle spielen würde. Sollte es Tage zuvor ausgiebig geregnet haben, so wäre der Weg teilweise unpassierbar. Aber durch die anhaltende Trockenheit und Hitze des Sommers 2003 war dies nicht zu befürchten. Trotzdem beobachtete ich täglich die Wetterberichte, um nicht das gleiche Schicksal, wie im Jahr zuvor bei der TransHarz zu erleiden.

Höhenprofil 1.Tag

Ich hatte die Tour wie üblich als Streckenbeschreibung ausgearbeitet und wollte sie dann nur noch abfahren, um die genauen Km- und Hm-Angaben zu erhalten. Ferner hatte ich mir (und Carsten übrigens auch) ein GPS-Gerät zugelegt und die Strecke entsprechend dafür aufbereitet. Also konnte eigentlich nichts schiefgehen. Also legten wir die fest, den Eselsweg in seiner gesamten Länge von 111km in zwei Tagen, Montag - Dienstag, zurückzulegen. Ich besorgte die Bahnkarten und bestellte eine Übernachtung und es konnte losgehen.

Schon in der Nacht zum Montag wurde ich wie immer bei solchen "Geschichten" unruhig, konnte nicht richtig schlafen und wälzte mich von einer zur andere Ecke in meinem Bett. Erschwerend kam die Hitze des Jahrhundertsommers 2003 dazu. Schon bevor der Wecker um 6.00 seinen Alarm von sich gab, lag ich wach und ging im Geiste zum x-ten Male die Packliste durch und überprüfte, ob auch alles am Bike gecheckt war.

Als der Wecker klingelt , läuft alles nach einem festgelegten Muster ab, Kaffeemaschine anschmeißen, Frühstück vorbereiten, gleichzeitig die Baguettes für Unterwegs in den Backofen schieben und aufbacken, gleichzeitig das Radio einschalten um den Wetterbericht ein letztes Mal zu prüfen, was sich aber von selbst erledigt, da die Sonne schon Glutrot im Osten aufgeht und einen heißen Tag verspricht.

Das Land der aufgehenden Sonne

Nach dem Frühstück heißt es die restliche Morgentoilette zu erledigen und Rucksack zu packen. Natürlich habe ich wieder zuviel drin, aber das werde ich erst später erfahren. Auf jeden Fall würde der Rucksack durch eine Camelbakblase zu schwer werden und ich beschliesse, das zwei Flaschen reichen müssen. Ein schwerwiegender Fehler, wie sich später noch herausstellen wird.

Pünktlich um 8.00 rollt Carsten vor. Mein erster Blick fällt auf seinen Flaschenhalter, er ist leer. "Flasche vergessen?" "Nein, Camelbak". Na ja, kurz überlege ich, umzuschwenken, aber zu spät, dies würde eine komplette Umorganisation des Gepäcks bedeuten. Schon rollen wir in Richtung Bahnhof...

Warten auf den Zug

Natürlich sind wir mal wieder viel zu früh dort und müssen dementsprechend die Wartezeit überbrücken. Langsam füllt sich der Bahnsteig, auch mit Radlern, die anscheinend auch mit unserem Zug fahren wollen. Ein Frau spricht uns an, wo den wohl das "Velo-Abteil" sein würde. Aaah, eine Schweizerin, schon fallen uns beiden die Erlebnisse unserer "Tour de Suisse" ein. Schnell kommen wir ins Gespräch und erfahren, dass Sie aus Winterthur, und nun auf der Rückreise sind.

Schon rollt der Zug ein und wir verstauen unsere Bikes ziemlich als erste. Danach suchen wir uns einen günstigen Platz, von wo aus wir die Bikes beobachten können. Wir schauen uns die Landschaft an und immer wieder überlege ich, ob dies oder jenes nicht auch ein tolles Bikerevier wäre. Langsam erwärmt sich der Waggon unter der morgendlichen Sonne.

An jeder Station fühlt sich das Fahrradabteil mehr und mehr. So langsam dürften eigentlich keine Räder mehr hineinpassen, als an der vorletzten Station vor Fulda der Waggon noch mal richtig voll wird. Eigentlich passt aus menschlichen Ermessen kein Fahrrad mehr ins Abteil, aber ein paar Erwachsene mit ihren Kinder scheinen das ignorieren zu wollen. Ade, nächste Zugverbindung, bis die alle aus dem Zug sind, ist unser Anschlusszug schon lange abgefahren. Als erste rein, bedeutet immer als letzte raus.

In Fulda scharre ich förmlich mit den Hufen und wir sehen zu, dass wir möglichst schnell den Zug verlassen und zum Anschlusszug hetzen, den wir auch noch erreichen. Herrlich, wir haben das Abteil praktisch für uns, kühle Luft strömt aus den Öffnungen der Klimaanlage. Entspannt rollen wir unserem Startort Schlüchtern entgegen, als Carsten einen Aufschrei loslässt, seine Trinkblase scheint undicht zu sein. Eine Pfütze auf dem Boden scheint dies zu bestätigen. Schnell entnimmt er die Blase aus dem Rücksack und sieht sich schon im Geiste mit nassen, klebrigen Gepäck durch die Lande reisen. Aber Fehlalarm, die Blase ist dicht und das Gepäck trocken. Anscheinend hat er nur das Bissventil eingeklemmt und es konnte sich der Schlauch entleeren.

Das "E", dass uns zwei Tage begleiten wird.

11.30, pünktlich erreichen wir Schlüchtern, die Sonne brennt erbarmungslos auf uns nieder. Am Bahnhofsvorplatz machen wir unser technisches Equipment startklar, GPS-Aufzeichnung starten, Trackback-Funktion einschalten, HAC-Aufzeichnung aktivieren. Und schon kann es losgehen. Laut meiner Recherche soll der Eselsweg durchgehend mit einem "E" gekennzeichnet sein, aber das kennen wir ja schon von anderen Wegen und wissen, dass man sich auf solche Aussagen nicht unbedingt verlassen kann. Also heißt es die Tourenbeschreibung immer griffbereit zu haben und das Display des GPS-Geräts im Auge zu behalten.

Der Bahnhof von Schlüchtern liegt etwas außerhalb und so geht es die ersten Meter erst einmal Richtung Stadt bergab. Schon haben wir den ersten Wegpunkt erreicht und ich habe noch kein "E" gesehen. Aber vielleicht liegt es ja auch an der Anspannung. Ich setzte meine Markierung im HAC und es kann weitergehen. Wir erreichen die erste große Kreuzung und wenden uns gleich wieder rechts von der Stadt ab und rollen gen Ortsende. Laut GPS müssen wir in Kürze die Strasse kreuzen und links abbiegen. Dort das erste "E" an einem Pfeiler, wir sind richtig.

Es geht leicht bergan und als wir am letzten Haus den Strassenknick hinter uns lassen, trifft mich fast der Schlag, und das im doppelten Sinn. Vor uns ist eine Rampe, die meinen kleinsten Gang erfordert, gleichzeitig brennt die Sonne in diesem Moment wahrscheinlich extrastark auf uns nieder. Der Rücksack scheint doppelt so schwer zu werden. Ich hatte mit einer leichten Einrollphase gerechnet, aber das hier sieht überhaupt nicht nach Einrollen sondern eher nach Transalprampe aus. Noch kann ich mit Carsten mithalten ,aber so langsam schnürt sich der Brustkorb immer mehr zu, ein Stechen in der Lunge zwingt mich zum Absteigen, schließlich will ich nicht gleich am Anfang meine Körner verschiessen. Carsten tritt munter weiter, ist aber auch sichtlich am keuchen. Nach hundert Metern, als es etwas flacher wird, schwinge ich mich wieder in den Sattel, schließlich will ich den Eselsweg erfahren und nicht erschieben. Langsam aber stetig mache ich Meter um Meter auf Carsten gut, finde mein Tempo und am Ende der Steigung sind wir wieder beisammen. Auch er ist sichtlich geschafft, hatte solch eine Rampe nicht erwartet. Aber wir werden die folgenden zwei Tage auf einem Höhenweg fahren und so heißt es logischerweise erstmal Höhe gewinnen.

Jetzt sind wir im Wald und scheinen die erste Schwierigkeit hinter uns gelassen zu haben. Der Wald bietet Schatten und das leichte auf und ab der Strecke bringt etwas Erholung. Wir erreichen an einer Schranke offenes Gelände, eine Motocrossstrecke mit Sprunghügeln und Steilkurven. Am liebsten würde ich jetzt über den einen oder anderen Hügel springen, aber der Rücksack auf meinen Rücken holt mich wieder in die Realität zurück. Haben wir uns verfahren? Das GPS zeigt uns aber, das wir auf der richtigen Strecke sind, an einer Leitplanke ist auch wieder ein "E" gepinselt, also sind wir richtig. Laut Wegbeschreibung muss auch gleich die Mülldeponie kommen... Richtig... wir können sie riechen... bei den Temperaturen auch kein Wunder. Schnell biegen wir dort nach links ab und fahren zwischen Getreidefeldern den ersten Ausläufern des Spessart entgegen.

An einem Wegpunkt bin ich mal wieder zu schnell und statt eine Markierung zu setzen, breche ich die Aufzeichnung ab. Klasse, das begeistert mich jetzt nicht gerade, also Aufzeichnung wieder starten und die bisherigen Kilometer entsprechend korrigieren. Natürlich hat Carsten von alle dem nichts mitbekommen und ist munter weitergefahren, er richtet sich stur nach seinem GPS. Also hetzte ich hinter im her uns presche eine der ersten Abfahrten hinter.

Erste Pause auf dem Weg durch die "Hölle"

So langsam spielt sich unser Tempo ein. Es geht kleine Anstieg auf und kleinere Abfahrten runter, Mal im Schatten aber mehr in praller Sonne. Immer öfter greife ich zur Trinkflasche. So langsam kommt auch ein Hungergefühl in mir hoch, doch momentan bietet sich noch kein geeigneter Rastplatz. Wir erreichen einen Vergnügungspark und kommen endlich in schattigere Bereiche. An einem Rastplatz am Waldrand heißt es dann endlich Pause. Die Baquettes "Spezial" aus dem Rucksack geholt und dabei die Aussicht geniessen. Ein Blick auf das provisorische Höhenprofil zweigt uns, das wir noch einiges an Höhe gewinnen müssen um endgültig auf dem Höhenweg zu fahren. Also schultern wir schon nach kurzer Zeit unsere Rücksäcke und es geht weiter.

Nicht mal Muh macht die Kuh
Im Hintergrund die Bellinger Warte

Wieder verlassen wir den schattigen Wald und fahren auf Schotter durch Felder uns Wiesen. Die Sonne scheint es wirklich gut mit uns zu meinen und ich denke darüber nach, warum ich eigentlich eine Regenjacke mitgenommen habe, die 280 Gramm hätte ich sinnvollerweise in Flüssigkeit investieren sollen. Selbst den Kühen auf der Weide scheint die Sonne stark zuzusetzen, normalerweise flüchten Sie immer, wenn wir sie "anmuhen", aber heute scheint sie nicht mal das zu schrecken, oder sie verstehen uns nicht!

Wer erreichen den Golfplatz, gepflegter Rasen lädt eigentlich zu einer gepflegten Siesta ein, aber die Golfer wären darüber bestimmt nicht begeistert. Sie waren sogar mit Schildern vor tieffliegenden Bällen. Wo fahren wir weiter, bis Carsten urplötzlich abbremst. Am Wegrand hat er im Gestrüpp einen verirrten Golfball entdeckt, Ich drehe mich um und beobachte die Gegend und erwarte eigentlich den schlitzäugen Diener aus "Goldfinger" aus dem angrenzenden Wald treten und mit seiner komischen Melone nach uns werfen. Aber nichts der Gleichen passiert. So sind wir um einen Golfball reicher und setzen unser Fahrt fort.

Action pur

Am nächsten Wegpunkt kommt dann die erste Unstimmigkeit. Das "E" will uns kurz danach nach links abbiegen lassen, GPS und Wegbeschreibung wollen uns aber weiter geradeaus schicken. Kurze Diskussion und wir entschließen uns, dem "E" zu folgen. Dadurch geniessen wir den ersten längeren Singletrail des Tages. Schon bin ich gezwungen, meine Streckenbeschreibung anzupassen.

Auf einem der genialen Trails

Wir erreichen den "Merneser Heiligen". Eigentlich sollte es hier auf der Strasse weitergehen, aber Carsten findet wieder das "E", das uns auf einem Trail parallel zur Strasse führt. Natürlich fahren wir den Trail, schließlich sind die Abgase der Autos besonders bei diesem Wetter nicht sehr angenehm. Nach kurzer Zeit kreuzen wir die Strasse wieder und gelangen an eine endlos scheinende Auffahrt. Sie führt uns durch Kiefern zu einer rasanten, aber leider kurzen, Abfahrt. Die mühevoll erklommenen Höhenmeter sind damit wieder zunichte gemacht. Wieder sind wir an der Strasse. Laut Wegbeschreibung ist jetzt wieder Strasse angesagt, aber nein... Dort auf der anderen Seite gibt es wieder einen markierten Trail. Langsam geniessen wir, obwohl es ziemlich anstrengend ist, bei der Hitze über Wurzeln und um Steine und Bäume zu zirkeln.

Burgjosser Heiliger

Wir erreichen die Kreuzung "Burgjosser Heiliger" Wir überqueren die Strasse und gelangen auf einen Wanderparkplatz. Carsten studiert eine der regelmäßig aufgestellten Wanderschilder. Wir studieren dann gemeinsam unsere Unterlagen und Displays, bis wir wieder ein "E" entdecken. Bisher war die Streckenbeschilderung ohne Probleme, aber jetzt stehen wir doch etwas auf dem "Schlauch". Schon nach wenigen Metern durch den dichten Fichtenwald, bleiben wir in einem Hohlweg stehen. Ein Blick auf unsere Displays der GPS-Geräte lässt uns stutzen. Wir entfernen uns immer mehr von der vorgegebenen Stecke. Laut dieser müssten wir einen ganz anderen Weg fahren. Carsten fordert einen Blick auf die Karte, nur wie in dieser Wildnis, den genauen Standpunkt finden. In Windeseile fahren ich geistig die Strecke ab und finde unseren derzeitigen Standpunkt. Auch die Karte weißt einen anderen Weg. Na Klasse, und was nun? Karte und logischer Weise unsere GPS's weisen einen anderen Weg, als die tatsächliche Ausschilderung. Wir sind ratlos, müssen aber eine Entscheidung treffen, den so langsam scheinen wir bei der Hitze zu zerfließen. Auch neigt sich mein Flüssigkeitsvorrat dem Ende entgegen. Wir entschließen uns, der Ausschilderung zu folgen, da wir dann bestimmt wieder auf unsere ursprünglich recherchierte Strecke zukommen werden. Also schultern wir wieder unsere Rucksäcke und es geht in dem Hohlweg weiter bergan.

Schon die geringste Steigung lässt das Tempo bei mir absinken. Normalerweise bin ich jemand, dem es nicht warm genug sein kann, aber diese Hitze wird langsam zur Last. Ich greife erneut zur Trinkflasche, versuche mich aber zu beherrschen. Das Terrain wird etwas flacher und schon nehmen wir wieder Geschwindigkeit auf, Carsten vorne weg, ich hechel hinterher. Permanent habe ich das Display im Auge und zeitweise kommt dort auch unsere ursprüngliche Strecke zum Vorschein, verschwindet aber gleich darauf wieder. Auf breiten Waldwegen kämpfe ich gegen die Hitze, den Staub und Schweiß an, wobei der Durst wieder größer wird.

Blick auf Lettgenbrunn (Panorama)

Endlich wir gelangen an eine Kreuzung, die auch auf der ursprünglichen Strecke verzeichnet ist. Somit sind wir wieder "auf Kurs". Langsam lichtet sich der Wald und wir fahren auf einen Hangwiese weiter. Am folgenden Teerweg bremst Carsten vor mir abrupt ab und meint nur ereignisvoll "ohoh". Ich schaue ihn fragend an. Er weißt auf den gegenüberliegenden Hang und meint: "einen dieser Wege dort müssen wir garantiert wieder rauf". Das ist mir momentan eigentlich egal, ich sehne mich vielmehr nach etwas kühlem, eiskaltem.... Dort, der Ort vor uns wird bestimmt irgendwo meinem Wunsch entsprechen können. Ich dränge zur Weiterfahrt, denn wir stehen direkt in der sengenden Sonne. Also fahren wir weiter ums uns wenigstens etwas Kühlung durch den Fahrtwind zu verschaffen. Die Fahrt wird immer schneller und in rasanter Abfahrt nähren wir uns Lettgenbrunn.

Schu beim Studium der Karte

Dort sehen wir im Ort, etwas abseits der Strecke, ein paar Sonnenschirme vor einem Haus. Dort muss ein Gasthof oder etwas ähnliches sein. Also heißt es: PAUSE und nichts wie dort hin. Wir haben richtig geraten, der "Sudetenhof" scheint einer der wenigen Gasthöfe an unserer Strecke zu sein. Wir stellen unsere Bikes direkt unter einer schattigen Linde ab und entern schnurstracks einen der freien Tische im Schatten. Eigentlich haben wir keinen Hunger, aber ich lasse mir trotzdem die Karte bringen, während Carsten mit meinen Trinkflaschen verschwindet. Ich studiere die Karte und unter den Desserts fällt mir sofort die "Rote Grütze mit Eis" auf. Diese und eine große Cola mit Eis bestelle ich für uns beide. Nach einiger Zeit kommt die Wirtin mit unserer Cola und reichlich Eis wieder. Am liebsten würde ich das Glas im einem Zug leeren, aber mein Verstand sagt mir, das dies mein Magen nicht gut finden würde. Also halte ich mich zurück. Die dann folgende rote Grütze ist ein "Draum"(sächsisch ). Am liebsten würde ich noch eine Portion bestellen, aber dann müssten wir wahrscheinlich unsere Tour hier unterbrechen, denn ich wäre dann schwerlich zu einer Weiterfahrt zu bewegen. Also bezahlen wir und kommen noch etwas mit der Wirtin ins Gespräch. Sie bedauert uns, denn bei der Hitze sei der Eselsweg wirklich kein Vergnügen, meint sie. Uns unverständlich, denn inzwischen sind wir etwas erholt und nehmen den zweiten Teil des Tages in Angriff.

Noch lachen wir...

Doch vorher heißt es nochmals ein Foto von uns zu machen. Danach geht es auf einem der vorher gesehenen Wege wieder bergan. Um uns nicht wieder gleich voll auszupowern, legen wir einen leichten Gang ein und bezwingen auch diesen Anstieg. Kurz danach erreichen wir wieder einen der unzähligen Fichtenwäldern, der uns wieder willkommen Schatten anbietet. Kaum haben wir unsere "Kampfhöhe" von über 500 Metern erreicht, geht es auch schon wieder in einem rasanten Trail bergab und wir erreichen die Kreuzung nach Flöhrsbach. Hier steht in meiner Streckenbeschreibung, dass wir NICHT nach Flörsbach fahren sollen. Also bewegen wir uns auf einem der wenigen Strassenstücke dieser Tour. Natürlich hätten wir auch hier auf einem Trail abseits der Strasse fahren können, der übrigens auch wieder mit dem "E" ausgeschildert ist. Aber so ist es mal richtig entspannend auf glatten Asphalt die Strecke zum nächsten Wegpunkt hinter uns zu bringen.

Der "Meister in seinem Element

Nach wenigen hundert Metern werden wir die Strasse aber wieder verlassen und uns wieder auf einem schmalen Singletrail bergan kämpfen. Am Hengstberg vorbei erreichen wir Wiesbütt mit seinem Campingplatz uns seinem Waldbadesee. Allerdings sieht dieser See nicht besonders einladend aus, so dass wir von dem bestimmt kühlenden Nass abstand nehmen. Schon geht es wieder bergan in Richtung Dr.-Kihn-Platz.

Dr-Kihn-Platz

Hier müssen wir eine Zwangspause einlegen, da das GPS-Gerät von Carsten nach neuer Energie verlangst und danach standhaft den Empfang der Satelliten verweigert. Diese Zeit nutze ich natürlich um auch mal ein paar Fotos zu machen, bisher war nämlich Carsten derjenige, der sich überwiegend um die bildliche Dokumentation der Tour kümmert. Es geht langsam weiter um endlich wieder eine Satelitenverbindung zu bekommen. Am nächsten Wegpunkt ist es dann soweit. Genau rechtzeitig, denn schon biegen wir in einen schattigen Waldweg ein der mal wieder in einen super Singletrail mündet. Am Ende von diesem Trail landen wir dann an der Kreuzkapelle, oberhalb von Wiesen.

Wir bitten um Gottes Beistand

Nach einer kurzen Fotosession geht aus weiter durch den Hochstammwald des bayerischen Spessart mit seinen riesigen Buchenbeständen. Waldwege und Singletrails wechseln sich in diesem Teil der Strecke ständig ab. Es ist ein Genuss, auch trotz der Hitze, denn diese setzt uns beiden andererseits zu. Glücklicherweise sind wir im Wald, der uns wenigsten Schatten bietet. Schon geht es wieder bergan auf den Hochkopf.

Statt Pause heißt es weiter

Der heutige Tag ist geprägt von einem ständigen Auf und ab. Scheinbar lange Anstiege wechseln sich mit kurzen rasanten Abfahrten ab, so unser Eindruck. Aber wir denken, dass, wenn man die Strecke in umgekehrter Richtung befahren würde, die kurzen Abfahrten sich auch als lange Anstiege herausstellen würden. Während wir noch darüber nach denken, gelangen wir zum Wegpunkt "Engländer" mit seinem Waldgasthof.

Normalerweise würde ich zur Einkehr drängen, aber die Trackback-Funktion meines GPS-Geräts sagt nur noch wenige Kilometer bis zum Tagesziel voraus und ich befürchte, das ich nach einer ausgiebigen Pause nicht mehr zur Weiterfahrt zu bewegen wäre. Also geht es nach einer kurzen Verschnaufpause weiter. Wieder sagt meine Tourenrecherche, das wir ein Stück Strasse fahren müssen, aber die markierte Strecke kreuzt schon am Ende des Parkplatzes die Strasse und führt den markierten Weg auf einem Trail weiter, den wir natürlich wieder fahren. An einer Ecke kommen uns Wanderer entgegen und grüssen uns. Es kommt eigentlich selten vor, das wir jemanden begegnen. Aber wer ist auch schon so irre, bei solchen Temperaturen zu wandern, geschweige denn zu biken.

Das Dreamteam

Am nächsten Wegpunkt müssen wir dann wieder einen Zwangsstopp einlegen. Wieder spielt uns Tourenrecherche und Realität einen Streich. Laut Tourenrecherche müssten wir jetzt nach links abbiegen um unserem Etappenziel näher zu kommen. Die Ausschilderung will uns aber weiter geradeaus führen uns somit wieder weg vom Etappenziel. Habe ich mich bei der Recherche vertan? Sind wir noch gar nicht so weit? Wo sind wir eigentlich? Antwort soll die Karte bringen, Also setzte ich den Rucksack ab, was meinem Rücken auch endlich mal wieder etwas Entspannung bringen. Aber auch die Karte bringt uns nicht weiter, ich habe richtig recherchiert. Carsten überzeugt das jedoch nicht. Er fährt die ausgeschilderte Strecke weiter... bleibt nach ca. 100 Metern stehen und winkt. Dort zweigt auch der markierte Weg nach links ab. Also heißt es wieder den Rucksack schultern und hinterher.

So langsam macht sich Erschöpfung bei mir breit, ich möchte zum Ende kommen. Auch gehen meine Flüssigkeitsvorräte zu Ende. Zu meinem Erstauen meint auch Carsten, dass er langsam genug für heute hat. Ich glaube schon an Halluzinationen, denn er war derjenige, der den kompletten Weg am liebsten an einem Tag gefahren wäre. In diese Gedanken versunken kämpfen wir uns wieder eine Steigung hinauf. Dies sei bestimmt die Letzte, meint Carsten. Ich denke nur, dem ist die Hitze auch schon zu Kopf gestiegen, aber weiter komme ich nicht, denn schon muss ich mich auf die knackigen Trailabfahrt konzentrieren. Jepp, welch ein Genuss, rasant geht es bergab, trotz des schweren Rucksacks springen wir den Trail teilweise herunter.

Natura-Montageständer

Wir erreichen eine Wegspinne, die uns zum Anhalten zwingt. Wo geht es weiter? Diese Frage ist in diesem Moment eigentlich zweitrangig, denn von meinem Hinterrad kommt ein zischendes Geräusch an meine Ohren. NEIN, nicht schon wieder, das Hinterrad ist platt. Also muss sich erst einmal um mein Hinterrad gekümmert werden. Sinnigerweise finden wir an dieser Wegkreuzung sogar einen natürlichen "Montageständer". Während Carsten sich über mein letztes Baquettebrötchen hermacht, ich habe sowieso nur noch Durst, machen ich mich an die Reparatur des Schlauchs, aber hier stellt sich ein klassischer "Snakebite" heraus, sodass ich gleich ein neuen Schlauch einziehe und die Reparatur auf den Abend verlege. Jetzt heißt es nur noch pumpen, pumpen und nochmals pumpen.

Gut, dass wir da runter und nicht rauf sind!

Dann geht es weiter, natürlich bergan, also nix mit letzter Steigung uns so. Diesmal über den Falkenberg. Von dort wieder in schneller Abfahrt weiter. Diesmal vermeide ich Sprünge, schließlich will ich nicht doch noch bei der Hitze flicken müssen. Endlich erreichen wir den letzten Wegpunkt des heutigen Tages, die "Hirschhörner", oberhalb von Heigenbrücken. Hier wollen wir übernachten. Also stoppe ich alle Aufzeichnungsgeräte um das spätere Rechercheergebnis nicht zu verfälschen. Danach überlegen wir noch, ob wir die Strasse oder den Trail bergab nach Heigenbrücken fahren wollen. Wir entschließen uns natürlich für den Trail, schließlich sind wir schon den ganzen Tag auf solchen unterwegs. Als wir dann die Abfahrt vor uns sehen, denken wir nur noch: Klasse, super geil! Der Trail ist so steil, das wir unsere Disk zum Glühen bringen. Morgen werden wir wohl doch die Strasse nehmen, denn bergauf wäre das eine echte Plackerei, an fahren sowieso nicht zu denken.

Wir erreichen Heigenbrücken, landen auch direkt an einer Informationstafel. Laut meinen Unterlagen liegt die Unterkunft direkt an der Hauptstrasse (Lindenallee). Schon nach wenigen Minuten haben wir sie gefunden. Wir nehmen die Rücksäcke ab und drücken die Türklinke herunter... verschlossen! Montag ist Ruhetag. Das wusste ich, aber ich hatte als Ankunftszeit 18.00 angegeben. Dann wäre auf jedenfall jemand da, so hatte man mir gesagt. Also gehen wir auf die andere Seite des Hauses und schauen nach weiteren Türen, aber auch diese sind verschlossen. Also gehen wir zu unseren Rädern zurück. Gerade als wir uns es auf der Terrasse gemütlich machen wollen, öffnet sich die Tür und der Wirt steht in dieser. Als erstes muss die Unterbringung der Bikes geklärt werde. Der Wirt bietet uns eine Ecke auf der Terrasse an, aber das lehnen wir ab, notfalls müssen wir uns eine andere Unterkunft suchen. Das zieht und schon sind unser Räder sicher im Schlachthaus untergebracht.

Eins, zwei, gsuffa...

Jetzt betreten wir den Gastraum. Welch eine Wohltat, ein klimatisierter Raum, wir fangen schon an zu frösteln. Der Wirt fragt uns, ob wir uns erst frisch machen wollen, oder schon etwas zu trinken möchten. Ich bestimme einfach, das wir erst was trinken, ein grosses Radler. Eine Maas? Ja klar, ich könnte wahrscheinlich eine Wanne aussaufen, so durstig bin ich. Carsten schaut etwas ungläubig, nimmt aber das Gleiche. Nach kurzer Zeit stehen zwei riesige Humpen vor uns, wir prosten uns zu und setzen an. Boah, welch ein Genuss nur scheint die Mischung doch etwas stärker in Richtung Bier zu tendieren. Egal hauptsache kühl und erfrischend. Wir unterhalten uns noch etwas mit dem Wirt und leeren dabei teilweise (ich) zügig unsere Litergläser. Dann soll es aufs Zimmer gehen.

Als wir dann aufstehen, merken wir, dass der Alkohol von uns Besitz ergriffen hat. Das nächste Abenteuer des heutigen Tages, die Treppe zu unserem Zimmer, steht uns bevor. Aber auch das bewältigen wir dank eines stabilen Geländers. Wir stellen erstmal unser Gepäck in die Ecke, lassen uns aufs Bett fallen und strecken alle Glieder von uns. Beide haben wir einen Kleinen sitzen und albern rum. Wir haben es geschafft, der erste Teil liegt hinter uns. Jetzt heißt es nur noch Duschen und dann geht's ab zur Nahrungsaufnahme.

Heigenbrücken- Downtown

Wir schlendern durch den Ort, aber so richtig scheint es hier kein Leben zu geben. Bei der Hitze scheint sich das Leben wohl eher in anstatt vor den Häusern abzuspielen. Nach einem längeren Spaziergang finden wir endlich eine Pizzeria.

Die Vorspeise- ein "kleiner" Salat

Nichts besonderes, aber momentan sind wir da auch eher anspruchslos, weil einfach nur hungrig. Da kommen uns die grossen Portionen natürlich entgegen, obwohl ich bei der Lasagne einfach passen muss, des ist immer noch so warm und mir ist eher nach innerlichen Kühlung.

So, beenden wir nach dem essen unseren abendlichen Rundgang und bereiten uns auf dem Zimmer auf den kommenden Tag vor. Die Nacht über lassen wir das Fenster komplett offen, um wenigstens etwas Kühlung zu erhalten.

Alternativer Unterkunftstipp
Gasthof u. Pension
Zur Frischen Quelle
Hauptstrasse 1
63869 Heigenbrücken
(Tipp von Till, einem "Nachfahrer "der Tour)