Veni, Vidi, Vici *
oder
Die spinnen die Römer

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Besonderer Dank diesmal an Carsten für die Bereitstellung der meisten Fotos!!!

Seit Stunden tut mir der Rücken weh, weil der Rucksack bleischwer auf mir lastet und jetzt auch noch diese Rampe. Verzweifelt suche ich nach einem noch leichteren Gang, aber da kommt nichts mehr. Jetzt sich nur keine Blöße geben und aufgeben, tritt einfach weiter. Gleich da oben scheint es flacher zu werden, bis dahin... und dann kannst Du Dich erholen.....

Bei unserer Tour durch den Spessart war ich auf den Geschmack gekommen, weitere mittelalterliche wenn nicht gar urzeitlichere Routen mit den Mountainbike nachzufahren. Bei meiner Recherche stieß ich unweigerlich auf eines der historisch imposantesten Denkmäler der Menschheit, dem Limes. Dieser verläuft in Teilen sogar über hessischen Boden, also im Prinzip auf Heimatboden.

Limes: (lateinisch, Grenze, Grenzweg)
Der Limes wurde am Ende des 1. Jahrhunderts n.Chr. als militärisch gesichter Grenze des römischen Reiches erbaut. Er diente zum Schutz gegen die Barbaren und als Kontrollmöglichkeit, da er nur an bestimmten, überwachten Punkten passiert werden konnte. In Deutschland hatte er, oder genauer gesagt, der obergermanische raetische Limes (Limes Germaniae Superioris), eine Länge von 550km und ist eines der größten archäologischen Kulturdenkmäler Europas.

In einem Buch las ich, dass es einen Limeswanderweg gibt ,der unter anderem von Butzbach bis nach Bad Ems an der Lahn quer durch den Taunus führt. Schon war die grobe Strecke klar und der Rechner gestartet um das entsprechende Kartenmaterial zu bestellen.

Höhenprofil Limestrail

Nach dem Erhalt der Karten, machte ich mich mit vollem Enthusiasmus an die Planung, erstelle eine Tourenbeschreibung, ein erstes Höhenprofil und ein entsprechendes GPS-Overlay. Trotzdem brauchte es fast 2 Jahre, bis es endlich zur Durchführung kam.

Und jetzt war es soweit, mein Begleiter ist wie immer Carsten. Seit Wochen beobachte ich die Wettermeldungen. Natürlich möchten wir die Strecke nicht im Regen bewältigen. Endlich ergibt sich der dritten Augustwoche in der Mitte ein Sonnenloch. Also wollen wir das nutzen und planen die Durchführung für Mittwoch und Donnerstag.

Wie immer schlafe ich die Nacht vor einem solchen "Großereignis" unruhig. Schon früh bin ich wach, was ich dann auch nutze um ausgiebig zu frühstücken.

Kurz nach 8.00 ist Carsten da und wir verladen im Nu mein Bike und den Rucksack. Auch wenn das Wetter für die kommenden zwei Tage sonnig und trocken sein soll, habe wir dennoch beide Weste, Arm- und Knielinge eingepackt. Neben der weiteren Kleidung und den sonstigen notwendigen Utilities kommen wir wieder auf ein Gewicht von 4-5 Kilo.

Noch sieht das Wetter eher mau aus, aber je näher wir unserem Ziel kommen, desto sonniger wird es und unsere Laune steigt mit jedem Sonnenstrahl. Ja, wir haben es richtig gemacht, alles schein perfekt zu sein. Nach gut 1,5 Stunden Fahrt erreichen wir Butzbach. Da die Tour direkt am Bahnhof starten soll, versuchen wir einen möglichst naheliegenden Parkplatz zu finden, was sich als nicht sehr leicht herausstellt, da im Innenstadtbereich meist nur kostenpflichtiges Parken möglich ist. Gleiches gilt für den Bahnhofsbereich. Da Butzbach im Einzugsbereich von Frankfurt liegt, sind auch die Parkmöglichkeiten in den kleinen Nebenstrassen von den Pendlern so gut wie ausgeschöpft. Aber wir haben Glück und nach einigen Minuten finden wir doch noch ein Plätzchen in der Nähe des Bahnhofs.

In kurzer Zeit wird alles startklargemacht

Saalburg in 30 km, unser erstes Ziel

Dieses Symbol wird uns zwei Tage begleiten

Römerkastell Hunnenkirchhof

Blick zurück auf Hoch-Maisel

In der Ferne schon erkennbar: Der Taunus

Geiles Wetter, geile Landschaft, geiler Biker

Kurzfristig mal Asphalt

Auf dem Weg zum Gaulskopf

Römischer Wachturm am Gaulskopf

Der genialste Trail der Tour

Ohne Gegenwehr erstürmen wir die Saalburg
* Nunc est Bidendum

Blick in die Taberna

Römerteller 8 Sesterzen

Der Gladiator in(an) der Arena

Nach Brot kommen die Spiele

So sieht ein zufriedener Biker aus

Kleines Feldbergkastell porta decumana

Gleich gehts bergab!

Mittelalterliche Glashütte bei Glashütten

Ein "großes" Hindernis

Blick zurück auf den Feldberg

Hängengeblieben

Am liebsten liegengeblieben

Unterkunft Zur Dasbacher Heide

Surprise, surprise

Blick auf Dasbach

Römischer Wachturm bei Dasbach

Alea iacta est *

Innerhalb weniger Minuten sind die Bikes startklar, ein letzter Schluck aus der Mineralwasserflasche genommen, das elektronische Equipment in Position gebracht und der Rucksack auf dem Rücken geschnallt.

Wir müssen genau auf die andere Seite der Bahngleise und schauen uns um. Aah, da gibt es eine Unterführung und schon befinden wir uns an Startpunkt. HAC4- und GPS-Aufzeichnung werden gestartet und schon kann es losgehen. Bezeichnenderweise befinden wir uns auf der Taunusstrasse, welch passender Name. Diese steigt langsam aber stetig an und in der Ferne kann ich schon den Waldrand erblicken. Meine Gedanken springen spontan zu unser Tour Eselsweg, damals hatten wir gleich zu Anfang einen Hammeranstieg.

Schon nach wenigen Metern höre ich ein Fluchen hinter mir. Carsten hämmert auf seinem "sündhaftteuren" Polar S725 rum. "Was ist los?" frage ich. "Der Puls geht nicht" bellt er zurück, hält an und wirft Handschuh und Rucksack auf den Fußweg. Na das kann ja heiter werden. Also lasse ich ihn erstmal in Ruhe und gebe nicht wie es sonst meine Art ist, einen frozelnden Kommentar ab.

Nach ein paar Minuten kann es weitergehen. Langsam nähern wir uns dem ersten Wegpunkt unserer späteren Streckebeschreibung. Ich weiß, das es immer etwas nervend ist, an jedem Wegpunkt zu halten, Notizen zu machen und die bis dahin erstellte Beschreibung entsprechend zu korrigieren, aber das lässt sich nun mal nicht ändern . Schließlich soll, wenn ich eine Tourenbeschreibung mache, diese auch möglichst genau und richtig sein.

Am Waldrand angekommen, wird es kurzfristig etwas steiler, aber nichts im Vergleich zum Spessart. Nach wenigen Metern zweigt der Weg in einen Singletrail ab und wir werden entspannter, beginnen leicht über den Trail zu cruisen und es einfach laufen zu lassen..

An der nächsten Kreuzung sehen wir dann auch schon das Symbol, das uns die nächsten zwei Tage als Orientierung dienen soll. Also geht es die nächsten Kilometer flüssig auf einem Trail durch dichtbewaldetes Gebiet weiter. Als wir die Waldrand erreichen führt der Trail über eine Wiese nach Hausen. Ich stoppe, denn das GPS will uns nach rechts führen, der Weg geht aber definitiv geradeaus. Das wird uns noch einige Male so gehen. Da der Limes seit 2005 als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde, scheint sich hier einiges zu tun, also richten wir uns nach dem ausgeschilderten Weg.

Gleich hinter Hausen geht es wieder in den Wald. Dann plötzlich, ich will gerade auf der Kuppe beschleunigen um es auf dem vor uns liegenden Schotterweg mal so richtig krachen zu lassen, stoppt Carsten. Fast wären wir am Römerkastell Hunnenkirchhof vorbeigerauscht. Na ja, Kastell ist übertrieben, wir finden eine Erklärungstafel und einige Erdwälle vor, nichts weltbewegendes, aber immer hin...

Während ich mich auf die Dokumentation der Wegbeschreibung konzentriere, hat Carsten sich der Fotografie verschrieben, also schießt er ersteinmal den Film voll, wenn er denn einen eingelegt hätte. Im digitalen Zeitalter sind wir natürlich entsprechend gerüstet und unsere Kameras mit Speicherkarten statt Zelloleut ausgestattet. Da darf es dann auch mal ein oder zwei Bilder mehr sein.

Weiter geht es nach Hoch-Weisel, langsam spielt es sich ein: Auf der Streckenbeschreibung nach dem nächsten Wegpunkt schauen und dann einfach drauflos fahren, am Wegpunkt halten, HAC-Markierung setzen, kurz zusätzliche Angaben notieren und weiter geht es. Wenn, ja wenn die Technik mitspielt, den plötzlich stelle ich fest, das der HAC 0 km/h anzeigt, Das bedeutet, das auch die Kilometer nicht weitergezählt werden. Kurz geht mein Adrenalinspiegel hoch, aber dann denke ich, das ich das später daheim am PC korrigieren werde.

Hinter Hoch-Weisel sehen wir ihn dann erstmals, den Taunus. Auf im thront, schon von weitem zu erkennen, der Sendemast auf dem Feldberg. So gewaltig seht das Ganze gar nicht aus, eher wie ein Hügelchen. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, schließlich wissen wir aus unseren vorangegangenen Touren, das vieles was einfach aussah, sich als harter Brocken erwiesen hat. Darüber nachzudenken bleibt nicht viel Zeit, denn schon lassen wir es wieder "fliegen" und düsen durch Feld und Wiesen Münster entgegen.

Im Ortszentrum dann das erste Mal Orientierungsprobleme. Das GPS sagt gerade aus, aber irgendwie kommt uns das spanisch, oder besser gesagt, römisch vor. Entsprechende Wegsymbole fehlen, also fahren wir die Hauptstrasse weiter. Nach wenigen Metern stellen wir aber fest, dass es falsch ist, also wieder zurück und dann doch Richtung Fauerbach. Am Ortsausgang sind wir dann wieder beruhigt, unser Limes-Symbol erscheint wieder.

Nachdem wir den Anstieg hinter uns gelassen haben, führt uns der Weg auf einen Singletrail , der zunehmend feuchter wird. Obwohl es seit Tagen nicht mehr gerechnet hat und die Sonne vom Himmel brennt, hält sich die Nässe im Wald oft wochenlang. In den tiefen Furchen der Rückfahrzeuge haben sich tiefen Wasserpfützen gehalten und wir zirkeln auf dem Mittelteil rum, jeden Moment damit rechnend, auf einem feuchten Ast abzurutschen und in einer dieser Furchen hängenzubleiben. Aber schon haben wir diesen Teil hinter uns gelassen und fahren weiter auf Waldboden. Herrlich, diese Ruhe und die Luft, überhaupt... Das Wetter ist ideal, nicht zu kalt, nicht zu warm, die Sonne scheint, der Wald spendet eine angenehme Kühle.

Genug genossen, an einem Zaun, müssen wir scharf links ab auf ein Trail, der unsere volle Konzentration fordert. Am Ende kommen wir auf einen Parkplatz an dem Carsten stoppen muss, sein GPS hat schon im Wald die Orientierung verloren und nun versucht er wieder Kontakt mit den Satelliten verzustellen. Mein GPS hatte hingegen keine Probleme und so fahre ich etwas vor und bringe mich und meine Kamera in Position.

Hinter Ziegenberg geht es dann gleich wieder in den Wald. Jetzt befinden wir uns schon im Taunus und merken das auch. Der Waldweg zieht langsam, aber stetig bergan. Unser Tempo wird etwas gemächlicher und wir geniessen den Wald mit seinen Düften und Geräuschen. Es richt nach Baumharz und Fichte, in der Ferne hören wir einen Specht. Die Sonne sucht sich ihren Weg durch die Fichtenkronen und wirft teilweise bizarre Schatten auf den Boden.

Durch ein Tal, umgeben von Eichkopf und Ameisenkopf, befinden wir uns auf dem Weg zum Gaulskopf. Dort soll der erste "richtige" Römerturm stehen. Auf dem GPS ist er schon sichtbar, nur hat die Natur uns vorher noch eine schöne Rampe zu bescheren. Eigentlich kein Thema, wenn nur dieser Rucksack nicht wäre. Ich habe den Gefühl, eine unbekannte Kraft zieht mich wieder nach unten.

Aber dann kommt der Turm langsam und beeindruckend in unser Blickfeld. Durch den Anstieg wirkt er noch imposanter, thront er genau auf dem Gaulskopf. Früher mussten die Römer einen sensationellen Blick gehabt haben. Kontrollieren können wir das nicht, da der Eingang zugemauert ist und wir damit den Turm nur umrunden können.

Römischer Wachturm am Gaulskopf
Dieser wurde 1926 neben dem ursprünglichen Turm als Rekonstruktion errichtet. Der eigentliche Turm dürfte höher und seiner Zeit entsprechend weiß verputzt und mit roten Fugen versehen sein. Er soll in direkter Verbindung mit einem 6,5km entfernten Turm auf dem Johannisberg in Bad Nauheim gestanden haben.

Nach einer kurzen Verschnaufspause geht es weiter in Richtung Römerkastell Kaisergrube. Dort befindet sich heute ein Privatgelände. An dessen Ende wir wieder auf einen Trail einbiegen. Dieser entpuppt sich einer der besten Trails, die ich seit langer Zeit gefahren bin, Er scheint nicht enden zu wollen, wird teilweise extrem verwurzelt, führt durch Senken und kleinen Hohlwegen immer am ursprünglichen Limes entlang. An einer etwas verwinkelten Senken mussen wir absteigen, da vor uns eine Gruppe Wanderer gerade die Stelle durchquert. Freundlich grüßen wir, als uns Platz gemacht wird. Auf die Frage, warum wir nicht durchgefahren sind, antworte ich freundlich: "Wir wollten nicht, dass eventuell jemanden zu Schaden kommt und lieber Rücksicht nehmen." Mir dieser Aussage zaubere ich ein Lächeln auf die Gesichter der älteren Herrn und wir bekommen noch einen freundlichen Abschiedsgruß hinterher gerufen. Diese Herren dürften Mountainbiker in guter Erinnerung behalten. Nach einiger Zeit führt uns der Trail, den in einem Pfahlgraben weiter.

Der Ende des Trails, an einer Wegkreuzung am Numerus-Kastell Kapersburg, hindert uns ein hoher Zaun, der anscheinend zu einem militärischen Sperrgebiet gehört , an der Weiterfahrt und so müssen wir dieses Gebier großflächig umfahren.

Später lichtet sich der Wald etwas und gibt den Blick auf Wehrheim frei. Carsten nutzt die Gelegenheit und macht ein Panoramabild. Und schon geht es weiter. Wir fahren am Waldrand entlang und geniessen die Aussicht, es geht leicht aber stetig bergab, fast reißt es mich vom Bike. Dadurch das wir immer mehr Geschwindigkeit aufgenommen haben, hätte ich fast eine verdeckte tiefe Querrinne übersehen. Mir bleibt gerade noch Zeit, den Lenker hochzureissen um nicht zu Schaden zu kommen. Weitere Rinnen folgen , aber wir sind nun vorgewarnt und das Tempo wird immer flotter.

Wir erreichen die Saalburg-Siedlung und invernalischer Lärm aus Autoverkehr und Kindergekreische begrüßt uns. Der Weg führt genau an einem Freizeitpark vorbei. Nach der Ruhe der letzten Stunden wirkt dieser Lärm noch lauter als er wahrscheinlich ist. Schnell mache ich meine notwendigen Tourennotizen und deute Carsten: Nur weg hier!

Wir unterfahren die Strasse, die zur Saalburg führt und halten uns streng nach der Ausschilderung des Limes-Symbols. So nutzen wir auch nicht den parallel zur Strasse führenden Radweg sondern fahren den direkten Weg durch den Wald. Seit Stunden tut mir der Rücken weh, weil der Rucksack bleischwer auf mir lastet und jetzt auch noch diese Rampe. Verzweifelt suche ich nach einem noch leichteren Gang, aber da kommt nichts mehr. Jetzt sich nur keine Blöße geben, absteigen und schieben, tritt einfach weiter sage ich mir. Gleich da oben scheint es flacher zu werden, bis dahin... und dann kannst Du Dich erholen..... (Vanitas vanitatum et omnia vanitas*)

Es wird tatsächlich flacher und wir erreichen wieder die Strasse und den Radweg, wenden uns nach links, queren nach hundert Metern die Strasse über eine Brücke und erreichen die Saalburg.

Obwohl wir Mitte der Woche hier sind, herrscht reger Publikmsverkehr, was wohl auch an den Sommerferien liegt. Trotzdem sind wir froh, das wir nicht am Wochenende unterwegs sind, dann wäre hier wohl die Hölle los.

Kohorten-Kastell Saalburg (83 n.Chr.)
Rekonstruktion auf den Grundmauern eines mittelgroßen römischen Kastells von 1897 durch Kaiser Wilhelm II. eingeweiht. Heute beinhaltet die Saalburg neben den eigentlichen historischen Gebäuden auch die Ausgrabungsfunde aller römischen Fundstätten im Taunus. Mehr zur Saalburg findest man hier.

Neben den historischen Gebäuden mit seinen Kulturschätzen bietet das Kastell auch eine Taberna mit altrömischen Speisen und Getränken an, die sich teilweise dann doch recht exotisch anhören. Lukanische Wurst, Mortun und Mulsum stehen schließlich nicht auf dem täglichen Speiseplan eines Nordeuropäers.

Wir nutzen die Gelegenheit zu einer Pause, zumal mein HAC4 die ganze Zeit doch Aussetzer hatte und ich jetzt den Ersatz-HAC startklarmachen kann. Viel Zeit lassen wir uns allerdings nicht, denn es liegt noch einiges an Strecke vor uns.

Hinter der Saalburg geht es nach einem kurzen Stück Asphaltweg auf einem Singletrail weiter. Teilweise ist der Trail so steil, dass ich absteigen und schieben muss, Carsten hingegen ist mal wieder voll in seinem Element. Er zirkelt über Wurzeln hinweg und balanciert auf dem Schotterfeld hinweg, als wenn er nie etwas anderen gemacht hätte, einfach beneidenswert.  An einer Stelle muss dann aber auch er absteigend. Genau richtig, denn im nächsten Moment kommen uns zwei Downhiller in voller Schutzmontur auf einem Geröllweg in rauschender Abfahrt entgegen. Danach wird es aber wieder etwas flacher und auch für mich fahrbar. In diesem Teil wechselt die Vegetation mehrmals. Gestartet waren wir in einem dichten Laubwald aus Eichen und Buchen, kamen dann in einen Nadelwald und nun langsam in einen Mischwald.

Über Hollerkopf und Kieshübel fahren wir auf dem Kamm weiter zum Rosskopf. Die Gegend erinnert mich stark an den Harz. Dann geht es endlich mal wieder bergab, was uns aber nicht ausruhen lässt, denn die Abfahrt besteht aus einem Weg aus losen Steinbrocken, hier ist höchste Aufmerksamkeit gefordert. Ich habe mit solchen Abfahrten immer meine Probleme und der Rucksack auf meinem Rück macht die Angelegenheit auch nicht gerade leichter.

Dann erreichen wir das Kastell Heidenstock, von dem wiederum wenig übrig geblieben ist. Von hier aus geht es nochmal bergan, ehe wir dann wieder in der Zivilisation landen. Am Sandplacken lädt ein Ausflugslokal mit seinen Bänken und Tischen zu eine Pause ein. Einiges haben wir heute schon geschafft, sind aber noch lange nicht am heutigen Etappenziel. Bei einem Cappuccino studieren wir die Karte und den weiteren Wegverlauf. Diese Gegend scheint auch bei Bikern beliebt zu sein, denn Mountainbiker fahren an uns vorbei, es ist ein stetiges "Kommen und fahren". Ein Pärchen scheint uns genauer zu inspizieren und von unserem Rucksäcken fasziniert zu sein. Sie diskutieren hinter vorgehaltener Hand, wie groß die wohl sein mögen. "30 Liter" rufe ich ihnen zu und erstaunt bedanken sie sich für die Auskunft.

Weiter geht es Richtung Großer Feldberg. Auch wenn der Weg nicht direkt über ihn führt, er geht zumindest dicht am Gipfel vorbei. Unser Weg führt uns einen Zeit parallel zur Strasse und ich bin froh, als wir endlich mit dem Trail tiefer in den Wald einbiegen. Nur vereinzelt treffen wir auf Wanderer, von Mountainbikern keine Spur. Die scheinen andere Strecken zu nutzen/kennen.

Hinter dem Großen Feldberg kommt dann das nächste Kastell (Kleines Feldbergkastell). Dies ist gerade eine Baustelle. Wir drängen uns zwischen dem Bauzaun durch und betrachten die parkähnliche Anlage. Beide machen wir ausgiebig von unseren Kameras gebrauch und erstellen Panoramafotos.

Danach geht es weiter, unmittelbar die Kreuzung Roter Stock. Diese ist mir schon aus unzähligen Übertragungen "Rund um den Henninger Turm" bekannt. Hier quälen sich die "Teerfresser" den letzten steilen Anstieg zum Feldberg hoch. Wir jedoch kreuzen kurzer Hand die Strasse und "stürzen" uns auf einem Schmalen Weg den Berg hinunter. Immer wieder muss ich den Lenker hochreissen um nicht in Querrillen hängen zu bleiben. An Springen ist nicht zu denken, da es so steil und kurvig ist, dass man jegliche Kontrolle verlieren würde. Meine Louise FR scheint Höchstleistung zu bringen, denn es fängt mächtig an zu stinken. Von Carsten sehen ich nichts mehr, der war eben noch hinter mir und ist jetzt verschwunden.

Am nächsten Wegpunkt warte ich auf ihn und nach gut zwei Minuten taucht er endlich auf. Sein Gesichtsausdruck verrät Zufriedenheit über diese Abfahrt. Er rümpft dann etwas die Nase, "Was stinkt hier denn so?" Ich deute auf meine Bremse und er meint: "Ja, meine Marta hätte eben auch mehr Power gebraucht, die war fast am Ende...."

Nach einer kurzen Besichtigung von Überresten einer mittelalterlichen Glashütte kommen wir in den gleichnamigen Ort. Wir überqueren die Strasse und folgen weiter dem Limes-Symbol. Wieder landen wir nach wenigen Metern auf einem Trail. Inzwischen hat sich mein Körper und damit meine Balance auf das Mehrgewicht auf dem Rücken eingestellt und ich erhöhe die "Schlagzahl" auf dem Trail, wie in Trance über- oder umfahre ich Wurzeln und andere Hindernisse. Doch vor einer kleinen Bachdurchfahrt kapituliere ich, mache Platz um Carsten nicht aufzuhalten, der natürlich federleicht das "Hindernis überwindet".

"Los... Du jetzt!" ruft er mir zu und macht die Kamera klar. Jaja, denke ich, Du wirst Deinen Spaß haben wenn ich mich auf die Fre*** lege. Kurz nehme ich Schwung und.... Sein Blitz raubt mir jegliche Sicht. Natürlich ist das Bild nichts geworden und so darf ich das Ganze nochmal durchfahren.

Weiter geht es , immer dem Wegsymbol folgend. Der größte Teil der Strecke für immer durch Waldgebiete. Ich bin froh, das mein GPS funktioniert und ich mich wenigstens etwas orientieren kann. Am ehemaligen Kastell Maisel verlassen wir dann kurzfristig den Wald. Wir drehen uns um uns sehen ihn, den Großen Feldberg. Irgendwann, denke ich, werden wir auch da noch hochfahren. Aber heute haben wir andere Ziele. Der Trail führt uns immer tiefer in den dichten Wald , über schmale Stege lässt es sich nur schieben. Während ich notwendige Notizen mache, düst Carsten davon. Boah, wie ich das hasse, kann der nicht mal warten... Als ich ihn dann wieder einhole, bin ich auf hundertachtzig und blaffe ihn an. Danach geht's mir besser und es kann weitergehen.

Wir erreichen den Waldrand und der Trail führt uns leicht bergab an einer Wiese vorbei ganz dicht an einem Stacheldrahtzaun entlang. Wir zirkeln über Wurzeln und Stufen und freuen uns wie kleine Kinder, so könnte es stundenlang weitergehen. Doch dann gehe ich urplötzlich in die Eisen. Dort vorn ist für mich erstmal so kein Fortkommen mehr. Die Weiterfahrt wird von einem tiefhängenden Ast blockiert, der mich unweigerlich vom Sattel geholt hätte. Carsten nutzt diese Situation natürlich weidlich aus und fotografiert das Ganze von vorn und von hinten. Ja, so hat jeder sein Späßchen.

Weiter geht es über einen Wiesentrail, ein roter Milan zieht über uns seine Kreise und am liebsten würde ich mich jetzt ins weiche Gras schmeißen und erst einmal eine Runde schlafen, doch wir müssen weiter. Die Gegend ist einfach nur genial. An der Hasenmühle biegen wir scharf rechts ab und es geht wieder leicht bergan. So langsam schwinden meine Kräfte und der Rucksack wird wieder zunehmend unbequemer, den Rücken selber spüre ich fast schon nicht mehr. Ich sollte doch öfter mit Rucksack trainieren, sage ich mir in solchen Situationen immer, aber dabei bleibt es dann auch meist. Wir rollen über eine Grasnarbe quer durch die Felder. Wenn eines an den Kräften zerrt, dann dieser Untergrund, sogar Carsten ist leicht am fluchen, nichts ist schlechter zu fahren , als diese Graswege.

Endlich erreichen wir einen befestigten Weg. "Ich brauche eine kurze Pause" rufe ich und schon bleibt Carsten stehen. Ich werfe den Rucksack zu Boden und strecke mich nach allen Seiten und Richtungen. Jetzt ein Gepäckservice.... Aber die Strecke lässt mir keine Ruh', ich will doch weiter.

Hinter dem Kastell Alteburg biegen wir dann wieder auf einen Trail ein, es geht stetig bergan und innerhalb kürzester Zeit sind für wieder tief in ihm drin. Bis uns ein rotes Absperrband stoppt. BAUMFÄLLARBEITEN. Was ? Hier? Jetzt? Wir spitzen beide die Ohren, aber es ist kein Lärm von Waldarbeiten zu hören. Was tun? Mir doch egal, ob die hier sperren, sage ich und schon habe ich die Sperre umfahren. Carsten bleibt nichts anderes übrig als mir zu folgen. Nach einigen hundert Metern, sehen wir sie dann, die Waldarbeiten. Wie ein Orkan haben sie gewütet, der Weg ist mit Ästen übersät und wir haben Mühe, darum herumzufahren, aber schaffen es doch.

Dann "spuckt" uns der Wald wieder aus und hinter der nächsten Kurve können wir schon unser heutigen Etappenziel sehen: Dasbach. Die letzten Meter bergab lassen wir es nochmal so richtig fliegen und stoppen erst am Orteingang. Hier beende ich meine Tourenaufzeichnung und notiere alle wichtigen Daten.

Carsten hatte sich um die Unterbringung gekümmert, blieb also nur noch, diese ausfindig zu machen. Aber das war keine Problem, kurz die Strasse weiterfahren, dann rechts und schon konnten wir das Schild unserer heutigen Unterkunft erblicken.

Während Carsten den Schlüssel holt, orientiere ich mich ein bischen. Der Ort macht einen gepflegten Eindruck, hier irgendwo soll sogar ein sehr gut rekonstruierter Römerturm stehen. Schon kommt Carsten mit dem Schlüssel und meinst, wir sollen unsere Räder rum die Ecke schieben. Ein älterer Herr kommt und sagt, wir können unsere Bikes im Schuppen abstellen, der werde zwar nicht abgeschlossen aber hier auf dem Dorf kommt nichts weg. Seine Worte in Gottes Gehörgang denke ich und schiebe das Rad in den Schuppen.

Unterkunft
Zur Übernachtung direkt an der Strecke bietet sich der Ort Dasbach an, da er so ziemlich in der Mitte liegt. Einzige Übernachtungsmöglichkeit ist die Pension "Zur Dasbacher Heide", An der Struth 28, 65510 Idstein-Dasbach, Tel. 06126-4114. Sie bietet einfachen, aber ausreichenden Komfort und eine akzeptable Küche.

Unser Zimmer ist klein, aber sauber, das Bad neu . Danach sehne ich mich auch, eine saubere Dusche und dann etwas zu trinken. Als Carsten jedoch seinen Rucksack auspackt, kann ich es kaum fassen und mir bleibt die Spucke weg. Surprise, surprise, da holt der Kerl doch eine große Flasche Cola und einen Schokoladenkuchen aus seinem Rucksack! Ich glaub's nicht. Ich quäle mich den ganzen Tag mit meinem schweren Rucksack ab, und der Kerl schleppt freiwillig noch Mehrgewicht mit. Manchmal ist er schon a bissl verrückt. Dennoch bin ich begeistert und statt unter die Dusche machen wir uns erstmal über die Speisen her.

Nachdem wir geduscht und uns frische Kleidung angezogen haben, machen wir uns auf in den Gastraum, fragen den Wirt nach dem Römerturm und machen uns dann auf einen kleinen Spaziergang zum Turm. Schon von weitem können wir ihn sehen und in der Abendsonne ist seine Erscheinung um so beeinduckender. Nach einer Umrundung und den obligatorischen Fotos machen wir uns wieder in Richtung Unterkunft auf, denn inzwischen melden sich unsere Mägen Anspruch auf Versorgung an. Unsere Unterkunft ist auch die einzige Möglichkeit im Ort zur Speisung und so sind die Alternativen nicht wirklich groß. Die Speisekarte gibt nicht viel her, aber für hungrige Biker findet sich immer etwas. Carsten meint noch, das die Preise für die Beilagen doch etwas hoch seien, aber der wird sich noch wundern....

Wir bestellen ein Rumpsteak bzw. Schweinemedallions mit Pommes und Salat. Dazu jeweils ein schönes grosses Radler, in Gedenken an unsere Spessart-Tour (wer den Bericht gelesen hat, weiß, was sich meine). Als wir dann unsere Gerichte bekommen, schauen wir beide mit offenen Mund und völlig sprachlos auf unsere Teller.

Der Salat würde durchaus als Hauptgericht durchgehen und die Pommes nehmen fast den ganzen Teller in Anspruch. Als wir dann alles aufgegessen haben, sind wir so was von satt.... Für den Preis wurden wir mehr als ausreichend versorgt. Nach einem weiteren Radler machen wir uns auf den Weg in unser Zimmer.

Während Carsten die Karte für morgen studiert, döse ich auf dem Bett ein, entspanne mich völlig, bis... ja bis es mal wieder soweit ist. Ich mehr, wie sich meine Muskeln in den Beinen anspannen und ich die Kontrolle darüber verlieren: Muskelkrampf! Ich versuche mich in eine senkrechte Lage zu bringen, aber das hilft nicht. Carsten schaut mich erstaunt an, weiß nicht so recht was los ist, bis ich ihm mit schmerzverzerrten Gesicht den Grund erkläre. Hinlegen befielt er, aber ich kann nicht so recht. Als Sportstudent weiß er, was in dieser Situation zu tun ist. Er will meine Beine dehnen und fragt wo der Schmerz genau ist. Doch während er den einen Muskel dehnt und damit der Schmerz nachlässt, beginnt die Gegenseite an zu krampfen. Carsten sagt nur: "Locker lassen, locker lassen". Vor Anspannung und Schmerz weiß ich langsam nicht mehr, wo ich locker lassen soll und wo ich anspannen soll. Es wird immer schlimmer und so kämpfe ich mich eine gute halbe Stunde durch Schmerzen, die ich keinem wünsche. Dann ist der "Anfall" vorbei und ich lockere die Gliedmaße.

Während dessen studiert Carsten erneut die Karte und dann höre ich nur noch " Nee, ne!! Nee, Ne!!, Na das kann ja heiter werden!" Er hat den Start am nächsten Tag entdeckt. Wir müssen da nämlich ziemlich am Anfang ein Anhöhe "erklimmen". Auf der Karte reihen sich Höhenlinie an Höhenlinie. Fahr wird das Teil wohl nicht sein. Na dann Gute Nacht.

Zum Zweiten Tag